Impulse für dich
Hier findest du kleine Denkanstöße, Inspirationen und Geschichten: mal zum Innehalten, mal zum Schmunzeln, mal zum Weiterdenken.
Klick dich einfach durch die Beiträge (seitlich beim Pluszeichen), lies rein, wo es dich hinzieht, und lass dich überraschen.
Und wenn du Lust hast, regelmäßig frische Impulse direkt ins Postfach zu bekommen: Abonniere meinen Blog-Newsletter und bleib inspiriert.
Welchen Wolf willst du füttern?
Ein Moment, ein Gedanke – und plötzlich wird spürbar, wie sehr wir unser Erleben selbst beeinflussen.
Ein Text über innere Reaktionen und den kleinen Moment, der entstehen kann, bevor wir reagieren.
Die Sachlichkeitsillusion
Wenn fachliche Gespräche plötzlich persönlich werden
Sie verstand sich eigentlich gut mit ihrem Chef. Zwischen Tür und Angel wurde gescherzt, man sprach über Privates, über den Stress zuhause oder über Menschen im Unternehmen. Da war Nähe, Vertrautheit und grundsätzlich ein gutes Verhältnis. Und trotzdem gab es diese Meetings...
Sobald es fachlich wurde, veränderte sich etwas. Der Chef stellte Fragen und sie begann zu erklären. Sehr genau. Sehr ausführlich. Mit vielen Hintergründen, Zusammenhängen, Risiken, Erfahrungen und Details.
Eigentlich war alles logisch. Ihre Argumente waren fachlich fundiert und nachvollziehbar. Doch je mehr Worte im Raum waren, umso weniger Verbindung schien es zu geben. Der Chef wurde knapper, reservierter, manchmal auch ungeduldig. Teilweise entschied er trotz ihrer Ausführungen anders.
Und zurück blieb bei ihr ein Gefühl, das sich deutlich persönlicher anfühlte als ein bloß fachlicher Dissens: Er versteht mich nicht. Er nimmt mich nicht ernst. Er vertraut weder meiner Expertise noch mir.
Von außen betrachtet wirkte das Ganze wie ein normales Arbeitsgespräch. Zwei Menschen diskutieren über Inhalte, Entscheidungen und Argumente.
Genau das glauben wir über fachliche Kommunikation ja meistens: Dass es um die Sache geht. Um Fakten. Um Expertise. Um rationale Entscheidungen.
Und natürlich stimmt das teilweise auch. Gute Argumente sind wichtig. Fachlichkeit ist wichtig. Kompetenz ebenfalls.
Nur spricht der Mensch eben nie ausschließlich sachlich. Sobald Menschen miteinander sprechen, sprechen immer mehrere Ebenen gleichzeitig mit: Erfahrungen, Muster, Status, Beziehung, Unsicherheiten, Erwartungen und menschliche Grundbedürfnisse.
Was Kommunikation ursprünglich bedeutete
Interessanterweise ist schon in der Herkunft des Wortes Kommunikation aufschlussreich. Das lateinische communicare bedeutet teilen, gemeinsam machen oder teilnehmen lassen. Darin steckt dieselbe Wurzel wie in Gemeinschaft, Kommune oder kommunal. Kommunikation bedeutete ursprünglich also nicht einfach Informationsübertragung. Es ging vielmehr darum, gemeinsam etwas entstehen zu lassen.
Auch das Wort Gespräch erzählt etwas Ähnliches. „Sprechen“ bedeutet zunächst einfach, Worte hervorzubringen oder sich zu äußern. Das „Ge-“ in Gespräch macht daraus etwas Gegenseitiges. Ein gemeinsames Sprechen, sozusagen.
Und genau dort wird der Unterschied sichtbar.
Menschen können stundenlang sprechen, ohne tatsächlich miteinander in Verbindung zu kommen.
Gerade in fachlichen Meetings passiert das ständig. Jeder argumentiert, erklärt, rechtfertigt oder informiert. Gleichzeitig laufen innerlich oft noch ganz andere Prozesse. Denn während Menschen glauben, über ein Projekt, eine Strategie oder eine Entscheidung zu sprechen, versuchen sie oft gleichzeitig unbewusst, menschliche Grundbedürfnisse zu stillen: Sicherheit. Anerkennung. Orientierung. Vertrauen. Zugehörigkeit. Bedeutung.
Das ist nichts Pathologisches, es ist absolut menschlich.
Kommunizierst du schon, oder sprichst du noch?
Friedemann Schulz von Thun hat diese Vielschichtigkeit menschlicher Kommunikation auf vier Ebenen heruntergebrochen. Wahrscheinlich auch deshalb, weil Kommunikation sonst kaum noch greifbar wäre.
Denn wenn man ehrlich ist, schwingen in einem Gespräch weit mehr als vier Ebenen mit.
Da sind Biografie, Tagesverfassung, Status, Beziehungsgeschichte, Körpersprache, kulturelle Prägungen, Stresslevel, Rollenbilder, Machtverhältnisse, Erwartungen, Grundbedürfnisse, persönliche Trigger, Ängste, Erfahrungen und noch so viel mehr, was gar nicht ausgesprochen wird. Geschweige denn von sich selbst wahrgenommen wird.
Kommunikation ist eigentlich ein hochkomplexer multidimensionaler Vorgang.
Und dabei sind viele Menschen schon mit den berühmten vier Ohren komplett überfordert, ich übrigens oft auch. Wahrscheinlich liegt genau darin die Stärke solcher Modelle: Sie reduzieren Komplexität gerade weit genug, damit Menschen beginnen können, sich selbst und einander bewusster wahrzunehmen. Eh nicht als endgültige Wahrheit, eher als Einstieg in etwas, das wesentlich größer ist.
Das Spannende daran ist weniger das Modell selbst als die Erkenntnis dahinter:
Menschen kommunizieren multidimensional. Soweit so einfach.
Das gesprochene Wort ist eben nur ein Teil davon, das wissen wir. Da sind auch noch: der Tonfall, die Geschwindigkeit, die Körpersprache, der Blick. Auch das wissen wir.
Und jetzt wird’s kniffliger in der Wahrnehmung: die Beziehung zwischen den Menschen, der Kontext, die bisherige Geschichte, der Status, die Stimmung im Raum und die sehr wichtige Frage: "mit welchen inneren „Ohren“ hört mein Gegnüber gerade?"
Wenn aus Führungskommunikation echte KommunikationsFÜHRUNG wird
Die Frau aus dem Meeting hatte sich bereits intensiv mit ihrer Art der Kommunikation beschäftigt. Sie wusste, dass sie bei Unsicherheit dazu tendierte, noch genauer, noch fachlicher und noch detaillierter zu werden. Viele Menschen beschäftigen sich nie so intensiv mit ihrem eigenen Kommunikationsverhalten. Aber trotzdem blieb etwas schwierig.
Denn sich selbst wahrzunehmen ist nur der erste Schritt. Der zweite Schritt ist wesentlich anspruchsvoller.
Viktor Frankl beschrieb eine menschliche Fähigkeit: aus sich selbst heraustreten zu können. Sich nicht ausschließlich um die eigene Innenwelt zu drehen, sondern sich einem Menschen, einer Situation oder einem Sinn zuzuwenden.
Abgesehen davon, dass meiner Meinung nach hier Selbstführung startet, beginnt auch KommunikationsFÜHRUNG.
Denn irgendwann reicht es nicht mehr aus, nur die eigenen Muster zu kennen. Irgendwann wird entscheidend, ob ich auch die Situation des anderen wahrnehmen kann: In welcher Lage steckt die Person gerade? Wie belastbar ist sie in diesem Moment? Ist sie gestresst oder überfordert? Braucht sie Detailtiefe oder Orientierung? Braucht sie Sicherheit, Klarheit oder Vertrauen? Braucht sie einen Überblick statt fünfzehn Details?
Weil Menschen eben auch nicht losgelöst von ihrer Situation hören können.
Eine Führungskraft unter Druck hört anders als ein entspannter Mensch. Ein überforderter Mensch nimmt oft nicht mehr die Qualität einer Erklärung wahr, sondern vor allem deren Komplexität.
Und dann kann selbst ein fachlich 1A aufbereitetes Gespräch scheitern. Die Inhalte wären korrekt, aber niemand denkt den Raum mit.
KommunikationsFÜHRUNG bedeutet deshalb mehr, als gute Argumente zu haben. Sie bedeutet, Situationen antizipieren zu können. Wahrzunehmen, was gerade hilfreich ist und was zwar sachlich richtig wäre, aber kommunikativ in die Sackgasse führt.
Zwischen:
„Ich habe es erklärt.“
und
„Der andere konnte es aufnehmen.“
liegt oft eine ganze Welt.
Lebensfähigkeit – oder: Kannst du eigentlich Leben?
Lebensfähigkeit ist kein hübsches Wort. Es klingt nach Alltag, nach Verantwortung, nach etwas, das man nicht delegieren kann. Vielleicht begegnet es uns genau deshalb so selten.
Wir sprechen lieber über Selbstoptimierung, Selbstverwirklichung und Selbstfürsorge. Alles wichtig. Und gleichzeitig erstaunlich wirkungslos, wenn es ernst wird.
Viktor Frankl war da nüchterner. Er betrachtete das Leben nicht aus der Komfortzone heraus, sondern unter Bedingungen, in denen sich keine Illusion lange hält. Seine Antwort auf die Frage, was ein Mensch braucht, um dem Leben gewachsen zu sein, ist knapp und unbequem:
Liebesfähigkeit. Arbeitsfähigkeit. Leidensfähigkeit.
Große Worte. Und genau darin liegt das Problem.
Große Begriffe, kleine Wirklichkeit
Wenn wir diese drei Fähigkeiten hören, entstehen schnell Bilder, die eher abschrecken als klären. Leidensfähigkeit klingt nach asketischem Erdulden, nach alten religiösen Vorstellungen von Selbstgeißelung und Opferbereitschaft.
Arbeitsfähigkeit wird gesellschaftlich oft reduziert auf Leistungsfähigkeit: Wie viel schaffe ich? Wie belastbar bin ich? Wie effizient?
Und Liebesfähigkeit rutscht nicht selten ins Romantische oder Sexuelle, als ginge es primär um Gefühle oder Begehren.
In meinem Verständnis meint Frankl etwas anderes. Etwas Erdigeres. Kleiner. Alltäglicher. Diese Fähigkeiten zeigen sich nicht in Extremsituationen, sondern in ganz gewöhnlichen Momenten:
– in einem beleidigten Rückzug
– in einem inneren Widerstand
– in der Entscheidung, nicht zu flüchten
Lebensfähigkeit beweist sich nicht im Ausnahmezustand, sondern im Umgang mit dem Normalen, wenn niemand zuschaut. (außer hoffentlich der innere Beobachter ;-))
Liebesfähigkeit – nicht in der Verletzung wohnen bleiben
Liebesfähigkeit wird gern mit Harmonie verwechselt. Oder mit Nähe. Oder mit dem Gefühl, gesehen zu werden. All das kann dazugehören, ist aber nicht der Kern.
Es war Erntedank. Mein Mann sagte abends schlicht: nein, er möchte heute nicht mit mir zu Bett gehen. Kein Drama, kein Angriff. Und trotzdem war ich beleidigt. Innerlich beschloss ich, trotzig zu sein. Ihn zu strafen, mit Ignoranz, mit Kälte, mit demonstrativer Abwendung. Ich war fest entschlossen, hart zu bleiben. Bis mir auffiel, dass diese Härte ihn kaum berührte, aber mich vollständig einnahm. Ich zog mich zurück, verhärtete innerlich und nannte das Würde. In Wahrheit bestrafte ich nicht ihn, sondern mich selbst.
Liebesfähigkeit zeigt sich nicht darin, nicht verletzt zu sein. Sondern darin, nicht in der Verletzung wohnen zu bleiben.
Arbeitsfähigkeit – Verantwortung statt romantischer Egopolitur
Arbeit hat heute ein Imageproblem. Sie soll gut bezahlt sein, erfüllen, inspirieren, Sinn stiften und bitte auch noch Spaß machen. Tut sie das nicht, zweifeln wir entweder an der Arbeit oder gleich an uns selbst.
Frankl meint etwas Erdigeres: Arbeitsfähigkeit ist die Fähigkeit, einen Beitrag zu leisten. Verantwortung zu übernehmen, auch dann, wenn es gerade nicht glänzt.
Ein Freund musste innerhalb von zwei Tagen seine Wohnung räumen. Umziehen, entrümpeln, neu anfangen, alles auf einmal. Ich bot meine Hilfe an. Und ärgerte mich fast grün und blau. Warum war das nicht besser vorbereitet? Warum gab es keinen Plan, keine Struktur, keinen Überblick? In meinem Kopf liefen die bekannten Sätze: Dafür werde ich nicht bezahlt. Das ist nicht meine Zuständigkeit. Ich will nicht ausgenutzt werden. Bis mir dämmerte, dass dieser Mensch gerade nicht nachlässig war, sondern restlos überfordert. Geistig im Überlebensmodus. Ohne Ressourcen für Planung oder Ordnung.
In diesem Moment wurde mir klar: Ich kann das gerade. Ich kann strukturieren, priorisieren, einen Überblick schaffen.
Also tat ich es. Nicht aus Pflichtgefühl, sondern weil Arbeitsfähigkeit manchmal schlicht bedeutet, dort Verantwortung zu übernehmen, wozu man aktuell fähig ist.
Leidensfähigkeit – der Mut, nicht zu flüchten
Leidensfähigkeit ist das ungeliebte Kind unserer Zeit. Wir sollen alles fühlen, alles reflektieren, alles benennen, aber bitte nichts aushalten müssen. Leid gilt als Fehler im System. Dabei ist Leid nicht optional. Die Frage ist nicht, ob wir leiden, sondern wie.
Ich bin ein harmoniebedürftiger Mensch. Konflikte, besonders mit Frauen, triggern mich massiv. Dominante Freundinnen, klare Forderungen, unterschwellige Machtspiele: mein gesamter Organismus will da raus. Nett sein. Nichts sagen. So tun, als wäre alles in Ordnung.
Und dann verschwinde ich. Kommentarlos. Das macht die anderen wütend. Sie wollen klären, diskutieren, streiten. Genau das, was mein ganzer Organismus vermeiden will. Mein Impuls ist Flucht. Rückzug. Unsichtbar werden. So mein Muster.
Leidensfähigkeit beginnt für mich dort, wo ich diesem Impuls nicht folge. Wo ich mich trotzdem hinsetze. Mich erkläre. Sage, was ich will und was nicht. Sage, dass ich nicht unter der Fuchtel stehen will, auch wenn mir dabei alles innerlich schreit: Lauf!
Es kostet mich Überwindung, meine Grenzen zu benennen, zu bleiben, auszuhalten. Es fühlt sich roh an. Unangenehm. Und ja: leidvoll.
Es fühlt sich gar nicht stark an. Für mich eine Lektion in Sachen Leidensfähigkeit und ein Schritt in die Selbstermächtigung.
Die Schule des Lebens
Ich bin ein Ausbildungs- Junkie und glaube an lebenslanges Lernen. Und gleichzeitig lehrt mich das Leben jeden Tag ungefragt und ohne diese Lektionen gebucht zu haben: In Beziehungen, die meine Liebesfähigkeit fordern. In Situationen, die meine Arbeitsfähigkeit herausfordern. In Momenten, in denen ich nicht ausweichen kann, ohne mich selbst zu verlieren.
Diese Schule vergibt keine Zertifikate und sie ist gnadenlos ehrlich.
Lebensfähigkeit entsteht nicht durch Wissen allein, sondern durch Bewusstsein. Durch das Hinschauen. Durch das Aushalten. Durch das wiederholte Entscheiden, oft gegen den eigenen ersten Impuls.
Wer glaubt, er sei „fertig“, ist meist nur gut gepanzert. Und wer der Schule des Lebens ausweicht, zahlt irgendwann Zinsen.
Die Frage ist also weniger: Was habe ich gelernt?
Sondern: Was hat mich das Leben bereits gelehrt und was davon lebe ich wirklich?
Warum viele Menschen heute ihr Selbst verlieren – und wie wir es wiederfinden können
Wir leben in einer Welt, die laut ist. Laut mit Meinungen, Bildern, Erfolgsstorys, Likes, Erwartungen. Eine Welt, die uns täglich sagt, wie wir sein sollten, um dazuzugehören, um „erfolgreich“, „attraktiv“, „gut genug“ zu sein.
Doch mitten in dieser Überflutung an Reizen, Rollen und Vergleichen verlieren viele Menschen etwas Essenzielles: sich selbst.
Der Selbstverlust als Norm
Viktor Frankl, Begründer der sinnzentrierten Psychotherapie, sagte: „Jede Zeit hat ihre eigene Neurose, und jede Zeit braucht ihre eigene Psychotherapie.“
Für seine Zeit diagnostizierte er eine kollektive Sinnkrise. Und was ist es heute?
In unserer modernen Welt – geprägt von Social Media, permanenter Erreichbarkeit und einem hohen Maß an Vergleichbarkeit – zeigt sich ein neues Phänomen: Die Norm-Neurose des Selbstverlusts.
Wir sind ständig im Außen. Wir funktionieren, präsentieren, vergleichen. Wir tragen Masken, mal bewusst, mal unbewusst, um einem Bild zu entsprechen, das andere von uns haben könnten.
Wir passen uns an. Wir tun, was „man“ eben tut.
Doch je mehr wir uns bemühen, jemand zu sein, desto weiter entfernen wir uns oft davon, wer wir wirklich sind.
Die stille Sehnsucht nach dem Echten
Tief in uns bleibt jedoch eine Ahnung lebendig. Eine leise Stimme, die uns zuflüstert: „Da muss noch mehr sein. Das bin doch gar nicht ich.“
Diese Stimme ist unser inneres Gewissen, ein stiller Kompass, der nicht fragt, wie wir wirken, sondern wer wir sind und was uns wirklich entspricht.
Doch diese Stimme wird oft übertönt, von Normen, Trends, Erwartungen, Angst vor Ablehnung.
Ein persönlicher Gedanke
Ich kenne das gut: Man steht morgens auf und ist sofort in einer Rolle.
Als Partnerin, als Coach, als Freundin, als selbstständige Unternehmerin, als jemand, der „liefern“ muss.
Man funktioniert, man zeigt sich oft stark, klar, inspiriert.
Doch manchmal, vielleicht in einer ruhigen Minute zwischen zwei Terminen, spürt man plötzlich diese leise Frage:
„Bin das eigentlich noch ich? Oder nur ein gut geöltes Selbstbild?“
Viele Menschen, die zu mir ins Coaching kommen, erzählen genau davon:
Sie sind erfolgreich, vernetzt, gepflegt, kompetent und fühlen sich gleichzeitig innerlich leer oder fremd.
Sie wissen, wie sie wirken aber nicht mehr, wie sie sich selbst fühlen.
Wenn du dich hier irgendwo wiederfindest, dann bist du nicht allein. Und du bist nicht falsch. Vielleicht ist genau jetzt der Moment, dir selbst wieder näherzukommen.
Der Weg zurück zum Selbst
Die gute Nachricht: Das, was du suchst, ist nicht verloren. Es ist nur zugedeckt.
Es geht nicht darum, „mehr aus sich zu machen“, sondern darum, wieder in Kontakt zu kommen mit dem, was ohnehin schon da ist: deinem inneren Kern, deinem Wert, deinem einzigartigen Weg.
Was hilft auf diesem Weg?
- Stille statt Reizüberflutung: Innehalten, um wieder das eigene Gefühl zu spüren.
- Gewissensschulung: Was ist mein innerer Ruf, jenseits von Likes und Karrierepfaden?
- Wertearbeit: Welche Werte tragen mich, wenn alles andere wegfällt?
- Authentische Selbstentwicklung: Nicht Selbstoptimierung, sondern Selbst-Erinnerung.
Bleib inspiriert – bleib bei dir.
Wenn dich dieser Artikel berührt hat und du Lust auf weitere Impulse zur Selbstentwicklung, Sinnfindung und innerer Klarheit hast,
dann abonniere gerne meinen Blog.
Ich teile regelmäßig Gedanken, Fragen und praktische Übungen, die dir helfen können, dein Selbst wiederzufinden und deinen ganz eigenen Weg zu gehen, mit mehr Tiefe, Gelassenheit und innerer Stärke.
Coaching-Inflation – Zwischen Berufung und Bühne
Coaching boomt. Der Markt wächst, die Versprechen auch. Transformation, Klarheit, Selbstverwirklichung: alles scheint möglich, oft sofort. Doch je lauter die Branche wird, desto leiser wird die Frage: Was ist echtes Coaching eigentlich?
Vielleicht kennst du das Gefühl auch, du sehnst dich nach Entwicklung und gleichzeitig bist du skeptisch, wem du dich anvertrauen sollst. Zwischen Buzzwords und Businessplänen verschwimmt, worum es ursprünglich ging: um Begegnung, um Sinn, um den Menschen.
Dieser Artikel ist kein Abgesang auf Coaching, sondern ein Plädoyer für Tiefe. Für Räume, in denen nicht verkauft, sondern verstanden wird. Für Prozesse, die nicht inszeniert, sondern begleitet werden. Und für eine Haltung, die Coaching nicht als Bühne, sondern als Berufung begreift.
Ein persönlicher Blick auf einen überhitzten Markt
Es ist paradox: Während immer mehr Menschen nach Sinn, Klarheit und Selbstverwirklichung suchen, explodiert die Zahl der Coaches, die genau das versprechen. Doch was als Hilfe daherkommt, ist oft ein Geschäftsmodell und nicht selten ein Ego-Trip. Die Coaching-Landschaft ist bunt. Und das ist gut so. Doch zwischen fundierter Beratung und Instagram-Selbstinszenierung liegen Welten. Besonders in der deutschsprachigen Szene zeigt sich ein Trend, der irritiert: Coaches, die mit marktschreierischen Methoden Bedürftigkeit ausnutzen, um sich selbst zu inszenieren und dabei mehr an Umsatz als an Entwicklung interessiert sind.
Vertrauen als Währung – und als Falle
Menschen, die sich in Umbruchphasen befinden, sind verletzlich. Sie suchen Orientierung, Halt, Perspektive. Und genau hier setzen manche Coaches an, nicht mit echter Begleitung, sondern mit psychologisch geschicktem Marketing. Die Botschaft: „Du bist nicht genug – aber ich kann dich retten.“ Das ist nicht Coaching. Das ist Manipulation.
Ich weiß, dass ich mit dieser Kritik polarisiere. Und ich weiß, dass auch ich Teil dieses Marktes bin. Sichtbarkeit ist notwendig, auch für mich. Aber ich versuche, diese Sichtbarkeit mit Haltung zu füllen, nicht mit Heilsversprechen.
Warum ich trotzdem Coach bin
Ich habe lange gezögert, mich „Coach“ zu nennen. Zu inflationär, zu beliebig, zu laut. Doch ich habe mich bewusst dafür entschieden. Nicht, weil ich mich in einem Trend wiederfinde, sondern weil ich an die Kraft echter Entwicklung glaube.
Ich bin logotherapeutische Beraterin nach Viktor Frankl. Ich glaube daran, dass jeder Mensch den Willen zum Sinn in sich trägt und dass dieser Wille nicht nur das eigene Leben, sondern auch unsere Welt verbessern kann. Coaching, so wie ich es verstehe, ist kein Produkt. Es ist ein Raum für Sinnfindung, für Selbstklärung, für Wachstum.
Was Coaching kann – wenn es echt ist
- Es hilft Menschen, ihren inneren Kompass zu finden, nicht den Kompass des Marktes.
- Es schafft Räume für eigene Reflexion, nicht für Selbstoptimierung.
- Es begleitet Prozesse, statt schnelle Lösungen zu verkaufen.
- Es stärkt Selbstverantwortung, statt Abhängigkeit zu erzeugen.
Ein Coaching mit mir ist kein Produkt – es ist eine Begegnung
Ich helfe mit allem, was ich bin. Und das ist genug.
Dieses Mantra begleitet mich, nicht nur als Coach, sondern als Mensch. Es erinnert mich daran, dass ich nicht retten muss. Kann ich ohnehin nicht und muss nicht sein. Dass ich nicht ziehen darf, wo etwas wachsen will. Dass Entwicklung Zeit braucht und dass meine Daseinsberechtigung nicht am Tempo oder Erfolg meiner Klient:innen hängt.
Natürlich kenne ich den Impuls, helfen zu müssen. Wenn jemand vor mir sitzt, der ringt, zweifelt, sucht, dann will ich, dass es leichter wird. Dass etwas „rauskommt“. Und manchmal merke ich, wie ich ungeduldig werde. Wie ich den Prozess beschleunigen will. Wie ich mich selbst über das Ergebnis definiere.
Aber: Die Karotte wächst nicht schneller, wenn man daran zieht.
Ein Coaching mit mir ist kein Produkt mit Garantie. Es ist ein Raum, in dem du dir selbst begegnen kannst, in deinem Tempo, mit deiner Tiefe. Ich bringe Wissen mit, Erfahrung, Präsenz. Aber vor allem bringe ich mich mit: ehrlich, wach, zugewandt. Und das ist genug.
„Wenn wir einen Menschen so sehen, wie er ist, machen wir ihn schlechter. Wenn wir ihn aber so sehen, wie er sein könnte, machen wir ihn zu dem, was er sein kann.“
— Viktor E. Frankl
Um so sehen zu können, braucht es mehr als Methoden. Es braucht Begegnung. Ehrlich, wach, menschlich. Nicht in überfüllten Hallen, nicht auf Bühnen, sondern in Räumen, die still genug sind, damit etwas hörbar wird. Coaching ist für mich kein Massenprodukt. Es ist ein Dialog zwischen zwei Menschen, die sich gegenseitig ernst nehmen.
Und jetzt?
Wenn du beim Lesen gespürt hast: Diese Art von Coaching könnte für mich passen, dann bin ich da. :) Nicht mit einem fertigen Plan, sondern mit offenen Ohren, klarem Blick und echtem Interesse.
Wenn du gerne weiterdenkst, mitliest, mitfühlst, dann freu ich mich wenn du den Blog abonnierst. Ich schreibe regelmäßig über Sinn, Entwicklung und das, was zwischen den Zeilen passiert.
Ich will nicht viral gehen, aber ich freue mich irrsinnig, wenn du PORT TO PROGRESS magst und mit GleichgeSINNten teilst. Gedanken sind wie Pflanzen: Sie gedeihen besser, wenn man sie in gut dosiertes Licht stellt.
Wenn Kopf und Bauch im Streit liegen – vom inneren Ringen zur inneren Stimmigkeit
Kennst du das Gefühl, wenn du im Kopf schon längst entschieden hast, aber dein Bauch protestiert – leise oder laut?
Vielleicht gehst du einen Weg, der "vernünftig" erscheint: Sicher, effizient, gesellschaftlich anerkannt. Und trotzdem spürst du Unruhe, Druck oder gar inneren Widerstand. Es ist, als ob zwei Kräfte in dir an unterschiedlichen Seilen ziehen – der Verstand auf der einen, das Gefühl auf der anderen Seite.
Manchmal ist es noch kein Selbstverlust, keine "Normneurose" – aber das innere Schwanken zeigt an, dass du nicht mehr ganz in deiner Mitte bist.
Was bedeutet eigentlich Kohärenz?
"Kohärenz" – ein sperriges Wort. Und doch beschreibt es ein tiefes menschliches Bedürfnis: den Wunsch, in sich stimmig zu sein, im Einklang mit dem eigenen Denken, Fühlen und Handeln. Es geht um innere Ordnung, Verbindung, Sinnhaftigkeit. Oder ganz einfach gesagt: Ich bin mit mir im Reinen.
Die meisten Menschen sind stolz auf ihren klaren Verstand. Und das zurecht – Ratio hilft uns, zu analysieren, zu planen, zu entscheiden. Doch was passiert, wenn wir nur noch dem Verstand folgen – und das Gefühl übergehen?
König Ratio und Prinzessin Emotia – ein inneres Märchen
Es war einmal ein Land, das auf den ersten Blick vollkommen wirkte. Die Straßen waren sauber, die Gebäude prächtig, die Menschen erfolgreich. Sie standen auf Bühnen, verdienten viel Geld und hielten ihre Fassaden makellos. Doch unter der Oberfläche herrschte Leere. Um sie nicht zu spüren, konsumierte das Volk täglich kleine Dosen einer besonderen Substanz, die sie "Funktia" nannten. Sie machte alles ein wenig leichter, ein wenig schneller, ein wenig bunter – doch sie machte auch dumpfer. Die echte Verbindung zwischen den Menschen war versiegt. Stattdessen traf man sich auf Maskenbällen, wo jeder eine Rolle spielte, aber niemand sich wirklich zeigte.
Inmitten dieses Landes regierte König Ratio. Er war klug, analytisch, effizient. Sein Reich funktionierte wie ein Uhrwerk – doch es fehlte etwas. In einem abgelegenen Turm des Schlosses lebte Prinzessin Emotia. Sie war nicht wie die anderen. Sie fühlte tief, liebte das Echte, das Lebendige. Wenn sie tanzte, war es, als ob der Himmel selbst lächelte. Doch Ratio ließ sie nur zu besonderen Anlässen hervortreten – um das Volk zu unterhalten. Nicht, um zu reden. Nicht, um zu gestalten. Nur um zu tanzen. Danach wurde sie wieder in den Turm zurückgebracht.
Emotia spürte, dass ihre Gabe missbraucht wurde. Sie wollte nicht nur tanzen – sie wollte berühren, verbinden, lebendig machen. Doch immer, wenn sie mehr zeigen wollte, wurde sie zurückgewiesen. Die wenigen ihresgleichen – Menschen mit offenem Herzen, klarer Sehnsucht und tiefer Sensibilität – waren längst in stille Bereiche des Landes verbannt worden. "Zu gefährlich", hieß es. "Zu störend für den schönen Schein."
Eines Tages jedoch geschah etwas Unerwartetes. Der König, sonst stets kontrolliert und planvoll, spürte eine innere Leere, die sich nicht mehr verdrängen ließ. Die Funktia wirkte bei ihm nicht mehr. Die Masken der Menschen begannen ihn zu irritieren. Die Leichtigkeit fühlte sich schwer an. Und in dieser Stille erinnerte er sich an Emotia – an ihre Augen, ihren Tanz, ihre Tiefe.
Er ging zu ihr, zum ersten Mal ohne Absicht, ohne Plan. Und er setzte sich. Und hörte zu.
Emotia sprach. Von Sehnsucht. Von Wahrheit. Von echten Verbindungen. Von einem anderen Leben, das möglich ist. Und Ratio – der stets so kluge König – begann zu weinen. Es waren seine ersten Tränen.
Von diesem Tag an regierten sie gemeinsam. Ratio lernte zu fühlen. Emotia lernte, sich klar auszudrücken. Gemeinsam führten sie das Volk langsam aus dem Nebel der Betäubung. Die Masken fielen. Die echten Begegnungen kehrten zurück. Und das Land wurde nicht nur schön – es wurde lebendig.
Zwischen Funktionieren und Fühlen – Denkfehler, die uns aus der Balance bringen
Viele Menschen erleben dieses Ringen täglich – oft ohne es zu merken. Typische Denkfehler, wie sie der Psychologe Aaron T. Beck beschrieben hat, tragen dazu bei:
- Katastrophisieren: "Wenn ich das jetzt nicht schaffe, bricht alles zusammen."
- Alles-oder-Nichts-Denken: "Entweder perfekt oder gar nicht."
- Gedankenlesen: "Die denken sicher, ich bin schwach."
Diese automatischen Gedanken erzeugen Druck, Angst oder Schuld – und drängen das Gefühl weiter in den Hintergrund. Dabei wäre gerade jetzt ein Innehalten wichtig.
Erste Schritte zur inneren Stimmigkeit
Was kannst du tun, wenn du merkst, dass Kopf und Bauch sich widersprechen?
- Innehalten: Nimm wahr, was gerade in dir los ist. Ohne Bewertung.
- Gefühle benennen: Was fühlst du wirklich – und was brauchst du?
- Gedanken überprüfen: Ist das wirklich wahr, was ich gerade glaube?
- Bewusst entscheiden: Was wäre jetzt stimmig – nicht nur logisch, sondern auch gefühlt?
Fazit – Wenn Ratio und Emotia gemeinsam tanzen
Kohärenz ist kein Zustand perfekter Harmonie, sondern ein inneres Miteinander. Ein Tanz zwischen Klarheit und Gefühl. Zwischen Analyse und Intuition. Zwischen Kontrolle und Vertrauen.
Vielleicht ist jetzt der Moment, innezuhalten und zu fragen: Sind mein Kopf und mein Bauch noch im Gespräch – oder tanzen sie längst nicht mehr miteinander?
Wenn du dich nach innerer Stimmigkeit sehnst, könnte es Zeit sein, deiner Emotia wieder zuzuhören.
Hast du dich in diesem Text wiedergefunden? Dann teile gerne deine Gedanken oder nimm Kontakt auf. Vielleicht ist es Zeit für ein Gespräch – mit dir selbst oder im Coaching.
Freundschaft – Verbindung oder nur Stimmungssache?
Mein Bruder redet ständig von Schwingungen – wenn Menschen auf derselben Frequenz schwingen, sind sie verbunden. Das sei wahre Freundschaft. Schön gedacht, dachte ich mir erst. Doch je mehr ich darüber nachdachte, desto mehr Fragen stellten sich: Reicht es wirklich, einfach nur „gleich zu schwingen“, um Freundschaft zu definieren? Oder steckt hinter dem Gefühl des Verbundenseins mehr?
Schwingungen, Frequenzen und der Mythos der Harmonie
In spirituellen Kreisen gilt die Idee, dass Freundschaft entsteht, wenn Menschen auf derselben Schwingung sind, als Wahrheit. Das klingt nach einer einfachen, sympathischen Erklärung: Wer ähnlich fühlt, denkt und lebt, verbindet sich automatisch. Doch was ist mit den Unterschieden? Den Herausforderungen? Den Konflikten, die Freundschaft erst auf die Probe stellen?
Freundschaft ist nicht nur ein gemütliches Zusammenschwingen. Oft entsteht sie gerade im Aushalten von Dissonanzen, im Respekt vor Andersartigkeit – und im aktiven Bemühen, Verbindung zu halten, auch wenn die „Frequenzen“ mal nicht perfekt passen.
Bedürfnis nach Verbundenheit: variabel und vielschichtig
Das menschliche Bedürfnis nach Verbundenheit ist komplex und verändert sich mit der Lebensphase. Manchmal reicht eine oberflächliche Verbindung, um das Bedürfnis zu stillen – etwa in guten Zeiten, in denen Leichtigkeit und Spaß dominieren. Doch in Krisen zeigt sich, welche Freundschaft trägt und welche nicht.
Wichtig ist dabei: Die Basis für jede echte Verbindung ist die emotionale Verbundenheit zu sich selbst. Wer sich selbst nicht spürt oder sich innerlich zerstreut fühlt, kann auch schwer authentische Verbindung zu anderen aufbauen.
Freundschaft als aktives Wohlfühl-Wollen
Etymologisch betrachtet kommt das Wort Freundschaft von Freund, abgeleitet vom althochdeutschen frōnt – der Liebende, der Wohlwollende. Freundschaft bedeutet ursprünglich einen Zustand des aktiven Wohlwollens, eine freiwillige Hingabe, die auf Freiheit basiert.
In der Freundschaft geht es darum, das Wohlfühlen des anderen genauso wichtig zu nehmen wie das eigene. Das „Wohlfühl-Wollen“ ist ein dynamisches Projekt, das Präsenz, Aufmerksamkeit und Freiheit erfordert. Freundschaft funktioniert nicht als Zwang oder Pflicht, sondern als freiwillige Wahl.
Wenn Lebensphasen Freundschaften herausfordern
Eine der schwierigsten Fragen rund um Freundschaft ist: Was passiert, wenn sich Lebensphasen ändern?
Wenn aus der engen Schulfreundin eine fremde Erwachsene mit ganz anderem Lebensstil wird. Wenn man früher nächtelang redete – und heute froh ist, sich einmal im Jahr zu hören. Oder wenn man merkt: Irgendwas stimmt nicht mehr. Ich fühle mich nicht mehr wohl.
Viele Menschen reagieren darauf mit einem inneren Pflichtgefühl. Nach dem Motto: Ich kann die Freundschaft doch nicht einfach loslassen – wir haben doch so viel erlebt!
Und ja, geteilte Geschichte schafft Bindung. Aber sie ersetzt keine echte Verbindung.
Meine Lehrtherapeutin hat mir einmal etwas Entscheidendes gesagt:
„Man darf sich das Recht geben, dass sich Verbindungen verändern.“
Das bedeutet nicht automatisch, dass die Freundschaft endet. Sie darf bleiben – aber sie braucht Ehrlichkeit.
Ehrlichkeit zu sich selbst: Was brauche ich gerade wirklich? Tut mir der Kontakt gut oder kostet er nur noch Kraft?
Und Ehrlichkeit im Kontakt: Kann ich ansprechen, dass ich mich verändert habe – und trotzdem verbunden bleiben will, aber auf eine neue Weise?
Nur durch diese Offenheit kann Freundschaft flexibel und lebendig bleiben – statt starr, pflichtbeladen oder innerlich längst aufgelöst.
Was bleibt? Ein Plädoyer für ehrliche Verbindung
Freundschaft ist kein statischer Zustand, sondern ein lebendiger Prozess. Sie fordert uns heraus, präsent zu sein, auch in Dissonanzen, und miteinander zu wachsen – nicht trotz, sondern gerade wegen der Unterschiede.
Zum Schluss lade ich dich ein:
Wann hast du dich zuletzt wirklich verbunden gefühlt?
Gibt es Freundschaften, die du nur wegen einer alten „Frequenz“ aufrechterhältst?
Und wie steht es um deine Verbindung zu dir selbst?
Freundschaften können stärken – oder belasten, wenn sich Bedürfnisse verändern.
Wenn du spürst, dass dich eine Beziehung beschäftigt, begleite ich dich gerne dabei, Klarheit und neue Wege zu finden, melde dich gern für ein Erstgespräch.
Müßiggang – die hohe Kunst des Abschaltens
Gestern war so ein Tag, an dem ich zum Nichtstun verurteilt war. Meine Hand zwang mich dazu, einfach mal alles stehen und liegen zu lassen. Kein Haushalt, keine Mails, kein „ich mach nur noch schnell“. Klingt nach Entspannung pur, oder? Für mich war es das Gegenteil: Ich spürte Hummeln im Arsch, eine innere Stimme ratterte ununterbrochen: Du müsstest noch Wäsche waschen. Du solltest das Projekt fertig machen. Du wolltest längst XY erledigen.
Eigentlich war es ein Wellness-Tag, aber ohne Wellness. Denn ich merkte schnell: Ich kann gar nicht so einfach nichts tun, ohne dass sich Schuldgefühle und Unruhe breitmachen.
Erinnerung ans Meer
Da fiel mir ein Gespräch mit meinem Vater ein, vor vielen Jahren in Kroatien. Wir saßen am Meer, es war heiß, die Zeit floss langsam dahin. Wir hatten nichts zu tun – und das war herrlich. Mein Vater lehnte sich zurück, lächelte und sagte: „Das ist Müßiggang.“
Ich sah ihn fragend an: „Was heißt das eigentlich?“
Damals verstand ich es nicht ganz, aber die Szene blieb hängen. Und gestern kam sie wieder hoch. Also begann ich, zu recherchieren und darüber nachzudenken, was Müßiggang eigentlich bedeutet.
Was ist Müßiggang?
Müßiggang ist nicht einfach Faulheit. Es ist auch nicht Achtsamkeit im modernen Sinne, wo man bewusst auf den Atem achtet, um stressresistenter oder fokussierter zu werden.
Müßiggang ist zweckfreies Sein. Das Sitzen im Schatten, das Dahintreibenlassen am Meer, das sinnfreie Umherschauen – ohne To-do-Liste, ohne Erwartung, dass es etwas bringen muss.
Genau das fällt uns heute so schwer, weil wir in einer Leistungsgesellschaft leben, in der Selbstwert oft mit Nützlichkeit verwechselt wird. Ich kenne es nur zu gut: Wenn ich nichts leiste, fühle ich mich wertlos. Als wäre mein „Sein“ ohne „Tun“ nicht genug.
Leistungssucht als Gesellschaftsphänomen
Und ja, ich nenne es bewusst Sucht. Denn wie bei jeder Sucht gibt es Abwehrreaktionen. Spricht man Menschen auf ihre Leistungssucht an, sagen viele sofort: „Nein, bei mir ist das anders. Ich kann super entspannen.“ Genau wie Raucher, die behaupten: „Ich kann jederzeit aufhören.“
Dabei hat unsere Gesellschaft den Müßiggang systematisch verdrängt:
- Entweder er gilt als Faulheit.
- Oder er wird verkauft – als Achtsamkeitskurs, Retreat oder „Me-Time“-Produkt. Aber selbst dann ist er wieder Mittel zum Zweck: produktiver, entspannter, leistungsfähiger werden.
Ein Blick in die Philosophie
Die alten Philosophen hatten dafür einen ganz anderen Zugang:
- Aristoteles sah in der Muße (scholē) die Voraussetzung für ein gutes Leben – Bildung, Denken, Freiheit entstehen nicht in Geschäftigkeit, sondern in freien, zwecklosen Momenten.
- Seneca warnte davor, das Leben mit Geschäftigkeit zu verplempern, und schrieb: „Muße ist nur dann heilsam, wenn sie uns zu uns selbst führt.“
- Epikur pries das einfache Leben, in dem man Freude am Hier und Jetzt findet – ohne Übermaß und ohne das ständige Hetzen nach Mehr.
Für sie war Müßiggang keine Schwäche, sondern Königsdisziplin.
Müßiggang als Kunst
Und so frage ich mich: Sollten wir Müßiggang nicht wieder als Kunst praktizieren? Nicht als Rückzug aus dem Leben, sondern als bewusst gelebte Form von Freiheit.
Vielleicht müssen wir lernen, wieder einfach nur dazusitzen – ohne Hummeln im Arsch, ohne Rechtfertigung, ohne Nutzen.
Gestern, gezwungenermaßen, habe ich das geübt. Und ja, ich habe glorreich versagt. Nach zehn Minuten lag ich unruhig auf dem Sofa, suchte Ablenkung und dachte über unerledigte Aufgaben nach. Aber vielleicht ist genau das der Anfang: zu merken, wie verlernt wir den Müßiggang haben – und wie dringend wir ihn wieder brauchen.
Vielleicht ist Müßiggang also nichts, was man „kann“ oder „nicht kann“, sondern etwas, das man übt wie eine Sprache, die wir beinahe vergessen haben. Und vielleicht fängt es schon damit an, ehrlich hinzuschauen, wie sehr unser Wert am „Tun“ hängt.
Wenn dich das Thema angesprochen hat und du Lust hast, dich darüber auszutauschen – sei es über Müßiggang, Leistung oder Sinn – freue ich mich, wenn du dich meldest. Und wer gerne weiterlesen möchte: Du kannst meinen Blog auch abonnieren.
Der Moment, in dem mein innerer Beobachter Leadership zeigte - Vom Trotz zur Bewusstheit.
Ein Praxisbericht über agiles Selbstmanagement: Wie ich unter dem Erntemond meinen inneren Beobachter aktivierte und alte Muster loslassen konnte.
Erntemond-Ritual: Kleine Rituale, große Erkenntnisse
Gestern war Vollmond: der Erntemond. Für mich mehr als ein Naturphänomen: Es war, als würde er sagen: „Jetzt erntest du mal dich selbst.“
Wir hatten ein kleines Erntedank-Ritual, kein Eso-Tamtam, einfach still und verbunden. Ein Freund war da, mein Mann, meine Familie war gedanklich mit uns verknüpft. Jeder durfte für sich „ernten“, was im vergangenen Jahr gereift war: Erkenntnisse, Entwicklungen, kleine wundervolle Erlebnisse.
Abwehrmechanismen im Alltag: Dankbarkeit als Trigger
Dann kamen wir zum Thema „Dank“. Ein Freund wehrte sich stark gegen das Wort „Dankbarkeit“. Er nannte es ein „Lemming-Wort“, das Menschen gefügig mache. Wer dankbar sei, verliere seine Wehrhaftigkeit.
Ich fand das faszinierend, nicht als Streitpunkt, sondern als psychologischen Hinweis: Hinter Abwehr steckt oft eine alte Verletzung. Mein eigenes Beispiel: Früher wehrte ich mich gegen das Wort „Bedürfnis“, weil es Schwäche und Abhängigkeit suggerierte.
Solche Reaktionen sind oft Schutzmechanismen. Sie entstehen aus Erfahrungen, die unser Gehirn als Gefahr abspeichert.
Wir fanden einen Kompromiss: Statt „dankbar“ sagte er „ich bin froh über…“ – und das funktionierte wunderbar.
Mini-Trotz auf der Couch: Der innere Beobachter erwacht
Nach dem Ritual legte ich mich mit meinem Mann auf die Couch. Wir schauten eine sinnfreie Sendung (ja, das darf auch mal sein), und irgendwann sind wir beide eingeschlafen. Als ich aufwachte, war ich – wie so oft nach dem Couch-Schlaf – leicht grantig. Ich fragte ihn, ob er auch ins Bett kommt. Er meinte: „Nein, ich bleib hier.“
Und da war sie wieder: meine kleine innere Drama-Queen:
„Na gut, dann halt nicht! Ich leg mich mitten ins Bett, dann hast du keinen Platz. Und wenn du mich aufweckst, bist du selbst schuld an meiner Reaktion!“
Ich schmiedete Mini-Rachepläne und fühlte mich herrlich trotzig.
Doch während all das in mir ablief, passierte etwas Neues:
Ein anderer Teil in mir, mein innerer Beobachter, schaltete sich ein:
„Was bringt dir das jetzt? Was willst du wirklich damit erreichen? Wie fühlst du dich danach?“
Plötzlich sah ich mein Muster klar: Trotz als Schutzmechanismus, der mir vorgaukelt, stark zu sein, obwohl er mich nur von Nähe trennt. Ich musste nichts ändern: nur beobachten. Das allein reichte, um den Impuls zu neutralisieren.
Integration: Bewusstheit statt Kontrolle
Ich schlief mit einem Lächeln ein. Ich hatte gespürt: Ich kann fühlen, ohne mich zu verlieren. Ich kann reagieren, ohne zu zerstören.
Plötzlich erinnerte ich mich an die Rauhnächte vor zwei Jahren. Damals - so ist der Brauch- hatte ich zwölf Wünsche ans Universum geschickt – und einen dreizehnten, den ich mir selbst erfüllen wollte:
„Ich bin mir meiner selbst und meines Verhaltens bewusst und habe die Macht über mich.“
Gestern Nacht unter dem Erntemond durfte ich diese Selbstführung ganz bewusst ernten!
Fazit: Praxisbericht über agiles Selbstmanagement
Was ich gelernt habe: Bewusstheit kann jede Reaktion transformieren, sogar alte, festgefahrene Muster. Mein innerer Beobachter ist kein Konzept, er ist gelebte Realität.
Und das Schöne: Er kann jederzeit aktiviert werden, auch in kleinen, alltäglichen Momenten.
Also: Beobachte, frage nach, integriere und erlebe, wie altes Verhalten sich wandelt, wenn Bewusstsein übernimmt.
ICH WILL.
„Ich will.“ - zwei einfache Worte und doch ein wichtiger Schritt in der Selbst-entwicklung. Viele Menschen setzen die Betonung beim ICH WILL auf dem Das:
„Ich will DAS: den richtigen Job, die Liebe, die Berufung.“
Aber oft fehlt dabei das Fundament: das Ich und das Wollen selbst.
Denn bevor jemand wirklich wollen kann, muss er überhaupt wieder spüren, dass er etwas will. Und das ist gar nicht so selbstverständlich.
Wenn das Wollen verloren geht
Viele leben jahrelang in einem stillen Anpassungsmodus. Sie funktionieren, machen, leisten, erfüllen Erwartungen. Das eigene Wollen wird dabei gedehnt wie ein Gummiringerl – ein bisschen hier nachgeben, ein bisschen da anpassen. Bis eines Tages jemand oder etwas fester daran zieht –
und dann reißt es.
Dann kommt das „Ich will nicht!“ – laut, trotzig, fast befreiend.
Oder, leiser, das „Ist eh alles wurscht.“
Beides sind Anzeichen dafür, dass das Ich zu lange nicht gehört wurde. Der eigene Wille ist zwar nicht verschwunden, ein wenig verschüttet ist er wohl – unter all dem Müssen und Sollen.
Das Wollen ist dann wie ein Muskel, der lange nicht benutzt wurde: nicht verloren, aber vergessen und untrainiert.
Die drei Ebenen des Wollens
Es gibt eine kleine, unscheinbare Übung, die viel Klarheit bringt: Man stellt sich dreimal dieselbe Frage – und achtet auf die Betonung.
- WILL ich das?
Will ich es wirklich – oder glaube ich nur, dass ich es wollen sollte oder glaube ich gar zu müssen?
- Will ICH das?
Bin ich es, die da will – oder ist das ein alter Wunsch, eine Erwartung, oder Prägung, die gar nicht mehr zu mir passt?
- Will ich DAS?
Weiß ich überhaupt, was genau ich da will, oder ist „das“ nur ein Platzhalter für etwas Tieferes, vielleicht Freiheit, Sinn, Ruhe, Lebendigkeit?
Diese drei Fragen führen zurück zum Ursprung: Zum echten Wollen, das nicht aus Druck entsteht, sondern aus Verbindung mit dem, was uns lebendig macht.
Zum Nachspüren
Echter Wille wächst aus dem Spüren, nicht aus dem Denken.
Wenn du ihm näherkommen willst, probier einmal, dich ehrlich zu fragen:
- Wann habe ich zuletzt etwas wirklich gewollt – aus Freude, nicht aus Pflicht oder Gewohnheit?
- Wie fühlt sich mein Körper an, wenn ich etwas will?
- Wo in meinem Leben handle ich aus Gewohnheit statt aus echtem Wollen?
- Wenn niemand etwas von mir erwarten würde – was würde ich heute tun?
- Was lasse ich gerade geschehen, obwohl ein Teil in mir längst „Nein“ sagt?
Echter Wille ist keine To-do-Liste und kein Ziel mit Deadline.
Er ist eine innere Bewegung – ein Aufrichten im Innern.
Er zeigt sich, wenn wir uns selbst zuhören und das Spüren wieder zulassen.
Die Woche des Wollens
Mein Mann und ich haben daraus ein kleines Experiment gemacht: Eine Wollen-Übungs-Woche.
Eine Woche lang achten wir bewusst darauf, was wir wollen UND machen es. Nicht kopflos, sondern achtsam. Jeden Tag ein kleines, echtes Wollen leben: etwas tun, das sich stimmig anfühlt, bevor der Kopf dazwischenfunkt.
Vielleicht magst du dich anschließen?
Eine Woche lang still beobachten, wann du willst, wann du nicht willst, und wie sich beides anfühlt. Es braucht keine Ziele, nur Neugier.
Zum Schluss
Vielleicht ist Wollen gar kein egoistischer Akt, sondern ein Ausdruck von Lebendigkeit: ein stilles Ja zum eigenen Sein. Und vielleicht beginnt Sinn nicht da, wo man weiß, was man will,
sondern dort, wo man wieder spürt, dass man will.
Wenn du Lust hast, dein eigenes Wollen zu erforschen, in einem Gespräch, einer Begleitung oder einfach mit Impulsen zum Weiterdenken, abonniere gerne meinen Newsletter oder melde dich zu einem Coachingtermin. Beides ist eine Einladung, dich selbst wieder deutlicher zu hören.
Ich will. Und du?
WOLLEN – Die Kraft, die uns in Bewegung setzt
Zwischen Freiheit, Selbsttäuschung und dem ehrlichen inneren Drang
Wollen ist kein „Ich will das“. Wollen ist ein Zustand. Eine Bewegung.
Viele verwechseln es mit Zielen und wundern sich dann, warum selbst das Erreichte sich leer anfühlt. In diesem Artikel geht es um das echte Wollen: den inneren Antrieb, der dich von innen nach außen in Bewegung bringt.
Was wir meinen, wenn wir sagen: „Ich will“
Wir sagen oft: „Ich will.“
Aber wie oft ist das wirklich ein Wollen und nicht einfach ein verkleidetes „Ich sollte“?
Wollen ist kein hübscher Gedanke und kein Vorsatz, den man sich an den Kühlschrank klebt.
Es ist ein innerer Zustand: lebendig, fordernd, manchmal unbequem.
Philosophisch gesehen hat Kant es moralisch verankert, Nietzsche schöpferisch gefeiert. Psychologisch gesehen ist es das feine Zusammenspiel aus Bedürfnis, Entscheidungskraft und der Fähigkeit, sich selbst ehrlich zu begegnen.
Doch die meisten von uns – ja, mich eingeschlossen – verwechseln das Wollen mit dem Ding, das sie zu wollen glauben.
„Ich will den Job.“
„Ich will mehr Geld.“
„Ich will endlich Ruhe.“
Und dann liefert das Leben brav genau das – Job, Geld, Ruhe und trotzdem bleibt das Gefühl aus. Weil das echte Wollen gar nicht dort lag.
Wollen ist kein Ding, es ist eine Bewegung
Echtes Wollen hat nichts mit Zielerreichung zu tun. Es ist eine Bewegung, eine Richtung, ein inneres „Da geht’s lang“. Manchmal ohne klares Ziel, aber mit absoluter Stimmigkeit.
Die Motivationsforschung spricht von Autonomie und intrinsischer Motivation. Ich nenne es schlicht: Selbstkontakt. Wenn du weißt, warum du dich bewegst, brauchst du kein Ziel, das dich zieht. Du wirst von innen geschoben.
Wie du echtes Wollen wieder spürst
1. Zurück zum Ich
Frag nicht: Was will ich haben?
Frag: Was will sich in mir leben?
Vielleicht ist es kein Job, sondern Ausdruck. Keine Ruhe, sondern Klarheit.
2. Körper als Kompass
Echtes Wollen spürst du körperlich. Als Kribbeln, Weite, Wärme – oder als leise Spannung, die dich Richtung Veränderung zieht. Der Körper weiß’s oft früher als der Kopf.
3. Unterscheiden lernen
Ist dein Wunsch wirklich deiner – oder das Echo fremder Erwartungen? Beim echten Wollen wird’s still in dir. Beim unechten laut.
4. Mini-Entscheidungen üben
Fang klein an: Sag Nein, wenn dein Körper eng wird. Sag Ja, wenn du spürst, da passiert was. So kalibrierst du deinen inneren Kompass neu.
Reflexionsimpulse für dich
- Wann hast du zuletzt etwas wirklich gewollt – nicht nur angestrebt?
- Wie fühlt sich Wollen in deinem Körper an – als Zug, als Druck, als Freude?
- Gibt es Ziele, die du erreicht hast, aber die sich leer anfühlen?
In der Tiefe liegt die Richtung
In meiner Beratung begleite ich Menschen, die ihr Wollen verloren oder verwechselt haben. Gemeinsam graben wir das Echte wieder aus: das Wollen, das sich nicht beweisen muss, sondern einfach da ist, wenn man aufhört, sich zu verstellen.
Wir arbeiten mit Körperintelligenz, Selbstreflexion und philosophischer Klarheit.
Denn Wollen ist kein Ziel. Es ist der Anfang. Und wenn du diesen inneren Ruf wieder hörst, brauchst du keine Motivation: Du wirst von dir selbst bewegt.
Fazit
Wollen ist kein To-do, kein Plan, kein Objekt. Es ist der Moment, in dem du aufhörst, dich zu überlisten und beginnst, dir zuzuhören.
Manchmal klingt dieser innere Motor erst wie ein alter Traktor, aber wenn du ihn regelmäßig startest, läuft er erstaunlich rund.
Wenn du es eilig hast, geh langsam
Über das Paradox der Ruhe im Streben nach Veränderung
Kaffee am Morgen ist für viele von uns mehr als ein Getränk, er ist ein stilles Ritual der Selbstvergewisserung: Ich bin wach. Ich funktioniere. Ich bin bereit.
Und vielleicht ist genau das schon der Punkt. Wir leben in einer Welt, in der Selbstentwicklung oder Selbstadjustierung fast schon zur Pflicht geworden ist.
Ich erinnere mich gut an meine eigene Therapiezeit, damals, als ich am Rande eines Burnouts stand. Ich kam dort nicht etwa als erschöpfte Frau an, die einfach mal eine Pause brauchte. Nein, ich kam als Streberin der Selbsterkenntnis! Ich wollte alles richtig machen. Ich hatte gelesen, was es zu lesen gab, kannte sämtliche Störungsbilder, konnte Traumadynamiken erklären und hatte eine beeindruckende Sammlung an Übungen, die mich „heil“ machen sollten.
Mein Therapeut sagte damals sinngemäß:
„Kommen Sie mal runter. Machen Sie weniger. Mehr ist nicht immer besser.“
Ich war richtig sauer. Weniger? Ich wollte Fortschritt, nicht Stillstand! Ich wollte Hausaufgaben, Aufgaben, Pläne. Ich wollte mich selbst reparieren. Erst viel später habe ich verstanden, wie sehr mich dieses „Ich will es richtig machen“ vom eigentlichen Prozess ferngehalten hat.
Mein inneres Tempo hatte nichts mit meiner Seele zu tun. Es war pure Angst.
Angst, stehen zu bleiben. Angst, nichts zu tun. Angst, in der Ruhe das zu spüren, was unter all dem Wissen und Wollen lag.
Vielleicht erkenne ich deshalb heute schneller, wenn jemand in diesem Modus steckt.
Menschen, die in der Beratung oder im Coaching sitzen und verzweifelt das Gefühl haben, „nichts geht weiter, da muss ja endlich was passieren“.
Sie wollen Übungen, Aufgaben, spürbare und vor allem greifbare Resultate! Leider wird dabei genau das verhindert, was eigentlich gesucht wird.
Es ist wie wildes Rudern auf dem offenem Meer. "Ich muss schnell und viel rudern, damit ich nicht untergehe!" Dieses Rudern ist erschöpfend, weniger das Meer.
Wenn ich in Gesprächen sage: „Vielleicht gönnst du dir einen Moment Ruhe. Du bist sicher. Du verpasst nichts“, dann kommt oft dieses typische Abwehrlächeln, das ich selbst so gut kenne – dieses „Ja ja, ich weiß eh, was du meinst“, während innerlich alles ruft: Wenn ich stehenbleibe, verliere ich, Zeit, Geld und mich!
Ich verstehe das. Denn was, wenn in der Ruhe plötzlich all das hörbar wird, was man so lange übertönt hat?
Warum uns Ruhe so nervös macht
Wir leben in einer Zeit, in der Veränderung etwas ist, das man „macht“.
Selbstwachstum, Selbstoptimierung, Selbstheilung: alles klingt nach Aktivität, nach Fortschritt, nach Tun. Stillstand gilt als Rückschritt.
Doch die Seele hat ein anderes Verständnis von Entwicklung: Sie gedeiht nicht unter Druck, sondern unter Aufmerksamkeit.
Das Paradoxe ist: Wir wollen in die Ruhe kommen, aber wir wollen es schnell.
So entsteht ein neues Hamsterrad, nur eben spirituell verpackt.
Wir meditieren mit Leistungsdruck, therapieren mit Erwartungshaltung und reflektieren mit Ehrgeiz. Aber echte Veränderung geschieht in Momenten, die sich uns entziehen:
- In der Stille nach einem Tränenausbruch.
- Im Nichtstun, das plötzlich Sinn macht.
- In dieser einen Sekunde, in der man aufhört, sich selbst zu analysieren und einfach nur da ist.
Langsamzugehen ist keine Technik. Es ist eine Haltung. Eine Entscheidung, der Seele wieder die Führung zu überlassen. Oder, wie es in einem alten Sprichwort heißt:
„Wenn du es eilig hast, geh langsam. Nur so kann die Seele mitkommen.“
Wie sich Langsamkeit für mich anfühlt
Ich bin heute nicht frei von Eile. Ich falle immer noch manchmal in dieses alte Tempo zurück, besonders, wenn ich Angst habe, etwas zu versäumen oder nicht genug zu tun.
Manchmal setze ich mich dann einfach hin. Ohne Ziel, ohne Podcast, ohne To-do-Liste.
Und genau in diesen Momenten geschieht etwas Merkwürdiges:
Die Welt wird nicht kleiner, sondern weiter.
Ich spüre mich klarer, nicht diffuser.
Es ist, als würde sich das Leben wieder dehnen, Raum schaffen für das, was sonst im Lärm untergeht.
Langsamkeit ist kein Zustand, den man erreicht. Für mich ist es eine Entscheidung, die ich immer wieder neu treffen muss/will/kann. :)